Für seine Wallhecken ist insbesondere Strackholt bekannt. Strackholt- was so viel heißt wie " aufrechte Bäume" - ist alt. Die älteste Urkunde stammt aus der Jahre 1454- dort werden zwei Häuptlinge "Aylart und Tammo upper borch to Stracholte" erwähnt. Das Kirchspiel wird erstmals 1475 als "Stretholt" in einem Verzeichnis des Bistums Münster genannt. Die Kirche
entstand in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Nicht weit entfernt befindet sich das "Hilgenholt". Dieser " Heilige Hain" war womöglich eine heidnische Kultstätte, von denen es noch um 1000 nach Christus in Friesland einige gegeben haben soll.

Geschichtlich belegt ist auch, dass schon in der frühmittelalterlichen Zeit zu vielen Geest- und Marschkirchen Gehölze gehörten, deren Bestände als Holzreserven dienten. Ein Kirchenrevisionsprotokoll von 1767 bescheinigt der Kirche Strackholt ein gutes Gehölz. Als Remmer Janssen, ostfrieslandweit als wortgewaltiger Pastor bekannt, von 1877 bis 1921 in Strackholt predigte, fanden im "Hilgenholt" Gottesdienste und Missionsfeste statt- deshalb auch "Missionsholt" genannt. Diesen Brauch will die lutherische Kirchengemeinde Strackholt wieder aufleben lassen.

War das Dorf zu Beginn des 19. Jahrhunderts wegen seiner Bierbrauereien und Kornbrennereien bekannt, so erwähnen die ostfriesischen Geschichtsschreiber Strackholt schon sehr viel früher, weil hier Foelke Kampena, die Frau des Häuptlings Ocko tom Brook, auf der "Ostinsenburg" regierte. Sie nannte sich Frau von Strackholt und Hinte, doch es heißt, dass Sie um 1400 in ganz Ostfriesland eher als "Quade Foelke" (böse Foelke) berüchtigt war. So auch in Strackholt, wo sie den Dorf-Geistlichen erschossen haben soll. Der hatte strickte Anweisung, niemals die Glocken zum Gottesdienst läuten zu lassen, ehe Foelke mit ihrem Gefolge die "Waterackers" passiere. Eines Tages, als alle Gläubigen versammelt waren und der Späher auf dem Ausguck Foelke nicht erblicken konnte, ließ der Pastor läuten. "Quade Foelke" hörte das auf ihrer Burg,  eilte in die Kirche und erschoss den Gottesmann vor dem Altar.

Über die "Ostinsenburg" gibt es auch eine Sage. Sie erzählt davon, dass ein Schatz in ihrem Garten vergraben sein soll, den ein paar mutige Burschen heben wollten. Es musste in der
Johannisnacht um Mitternacht sein und kein Wort durfte gesprochen werden. Da ihnen dabei aber der Teufel begegnete und einem Jungen vor Entsetzen ein Satz über die Lippen ging, liegt der Kessel mit Gold noch heute in der Erde. In Richtung Spetzerfehn soll es auch die "Düvelsboerg" mit einem Vorwerk gegeben haben.

Die Burgen und das Dorf sind zerstört worden, als Graf Gerhard von Oldenburg zur Osterzeit 1473 mit seinen Truppen einfiel. Davon berichten Inschriften, die in der Kirche entdeckt worden sind. Die Oldenburger plünderten auch die Kirche und stahlen unter anderem den goldenen Abendmahlskelch. Nach einer Erzählung sollen der Geistliche und sein Küster den Räubern gefolgt sein und sie auf halber Strecke nach Bagband unter einem Baum gefunden haben. Das Entsetzen des Pastors war groß, weil der heilige Kelch mit Schnaps reihum ging und die Plünderer sein Flehen nicht kümmerte. "Ji sünd dick un duun as Biggen", verfluchte er die Frevler und die Stätte ihres Saufgelages schließlich und seither heißt der Baum an jenem Ort "Biggenboom".

Heute steht an seiner Stelle ein Gedenkstein, denn in den"Biggenboom" soll wenig später der Blitz gefahren und drum herum lange kein Grün zu sehen gewesen sein. Auch zwei Äpfelbäume- einer nach dem Befreiungskrieg, der andere 1934 gepflanzt - wollen dort nicht gedeihen. 521 Jahre nach dem Überfall besuchte " Graf Anton Günther" Strackholt und es kam am "Biggenboom" zur symbolischen Versöhnung mit den Oldenburgern. In  Eintracht und mit "Friesengeist". Der goldene Kelch aber ist bis heute verloren.

Norderney ist als ostfriesische Insel und als ältestes deutsches Nordseebad bekannt. Aber Norderney heißt auch eine Kolonie nordwestlich von Strackholt. Ursprünglich ist dieses Gebiet "die weiße Hassel" genannt worden, ab 1790 wurde darauß " die Norderny" oder "Norderney"- sinngemäß für den "neuen Anbau im Norden". Dabei hatten die Strackholter Hofbesitzer im  März 1781 ihren "Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten König" noch gebeten, keine Kolonisten in Nähe ihres Dorfes siedeln zu lassen. Gewisse Vorbehalte hatten die Strackholter Bauern seinerzeit auch gegenüber den Siedlern in Spetzerfehn: "Spetzer Klatten mit Speck achter d' Hacken", hieß es. Und Speck stand für Dreck.